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BLACKBOX WOLFEN

© Falk Wenzel

Licht und Dunkelheit, ORWO und Ewigkeit: Tobias Zielony setzt sich in seiner Arbeit mit Fotografie und Film als Speichermedien von Licht und Zeit auseinander.

Die Agfa- und spätere ORWO-Filmfabrik mit ehemals 20.000 Mitarbeiter:innen in Wolfen existiert nicht mehr. Im Sinne eines fiktiven Archives sammelt der Fotograf und Filmemacher Tobias Zielony Bilder und Stimmen von ehemaligen Beschäftigten, die in der Fabrik und insbesondere in den Dunkelräumen bei der Beschichtung des Filmmaterials gearbeitet haben. Dabei handelte es sich nahezu ausschließlich um Frauen. Die Arbeit in fast totaler Finsternis, bei Kälte oder Hitze und mit verschiedenen Chemikalien war besonders schwierig. Auch Zwangsarbeiter:innen werden in der DDR in der Produktion eingesetzt. Wenn sie sich weigern zu arbeiten, werden sie in so genannte “Blackboxes” gesperrt und müssen den Tag in Dunkelheit verbringen. 

Für die DDR stellt das Filmmaterial einen wertvollen Rohstoff dar. ORWO liefert in die Sowjetunion, aber auch in Länder des nicht-sozialistischen Auslands. Einer der größten Abnehmer ist Indien. Aus Indien erhält die DDR im Gegenzug Knochen von Kühen, die in der Sonne gebleicht werdenund den Grundstoff für hochwertige Filmgelatine darstellen. Wie für fast alle in der Filmindustrie notwendigen Rohstoffe steht auch hier die Sonne am Anfang der Kette. So sind Licht und Dunkelheit im Film untrennbar verknüpft.

Heute existiert in Wolfen mit Filmotec nur noch ein kleiner Betrieb, der Archivfilme herstellt, die unter anderem vom Deutschen Bundesarchiv verwendet werden. Einmal belichtet und bei Dunkelheit und Kälte gelagert sollen diese Archivfilme bis zu 1000 Jahre überdauern. Für BLACKBOX WOLFEN möchte Zielony ein fiktionales Archiv auf einem dieser Archivfilme belichten. Was wird in 1000 Jahren von der Geschichte von ORWO bleiben? Und wer wird in 1000 Jahren dieses Archiv überhaupt lesen?

1.—17.
Juli
2022