DEEN

MINING STORIES

© Silke Huysmans & Hannes Dereere
© Hugo Cordeiro
© Vasco Celio
© William van der Voort

2015 ereignete sich in der Nähe der brasilianischen Stadt Mariana eine schwere Umweltkatastrophe: Der Dammbruch am Staubecken einer Eisenerzmine setzte eine giftige Schlammlawine frei, die Dörfer unter sich begrub und den Rio Doce auf gut 600 Kilometern bis zur Flussmündung sowie Teile des Küstengebiets verseuchte. Die Berichterstattung nach dem Ereignis veranlasste Silke Huysmans, die unweit des Unglücksortes aufgewachsen ist, gemeinsam mit Hannes Dereere nach Brasilien zu reisen, um über die Katastrophe und ihre Folgen zu recherchieren. Zurück in Belgien ergänzten sie die geführten Interviews um Gespräche mit Fachleuten wie dem Wirtschaftswissenschaftler Paul De Grauwe und dem Neurologen Luc Crevits.

Huysmans’ und Dereeres ästhetisch wie dramaturgisch durchdachte theatrale Aufarbeitung ihrer Recherche gibt dem Desaster – ohne Bilder – ein Gesicht. Die Partitur aus O-Tönen persönlicher Erzählungen, Wirtschaftsthesen, Überlegungen zum Phänomen der Erinnerung und Zeugenberichten zeichnen ein verblüffend präzises Porträt eines Unglücks und seiner „Geschichte“ in den Verhältnissen unserer Gegenwart. 

Genau wie die Landschaften in Brasilien und Belgien ist Bitterfeld und seine Umgebung vom Bergbau und daran gekoppelten Industrien geprägt. Und auch Bitterfeld war 1968 Schauplatz eines katastrophalen Unfalls. Wie funktioniert der Umgang mit den Geschichten? Das Stück beleuchtet die Zusammenhänge von Biografie, Ökonomie, Umwelt und Gemeinschaft aus einer globalen Perspektive auf der Basis von dokumentarischem Material.

Mit Silke Huysmans
Konzept & Regie: Silke Huysmans, Hannes Dereere
Dramaturgische Beratung: Dries Douibi
Technische Unterstützung: Christoph Donse
Szenografie: Frédéric Aelterman, Luc Cools
Portugiesische Transkription: Luanda Casella, Miguel Cipriano
Produktion: Kunstenwerkplaats Pianofabriek, Bâtard Festival
Koproduktion: Noorderzon Festival, KAAP Creative Compass

1.—17.
Juli
2022