In Traurigkeit mein Lachen
Vor 350 Jahren starb der in Gräfenhainichen geborene Barockdichter Paul Gerhardt, dessen Liedtexte bis heute Sinn stiften und Halt geben. Der Umgang mit Verlust und Trauer war eines seiner zentralen Themen, seine „Trostlieder“ wichtige Wegbegleiter der Menschen in einer Zeit voller Kriege und Seuchen. Gerhardt selbst verlor seine Frau und drei seiner vier Kinder und wurde Zeitzeuge unzähliger Gräueltaten und Verheerungen im Dreißigjährigen Krieg.
Die Konzertinstallation im Kraftwerk Zschornewitz stellt Texte und Musik jener Zeit in einen gegenwärtigen Kontext: Wie gehen wir mit Kontrollverlust um, wie können wir dem Gefühl von Hilflosigkeit angesichts der Zeitumstände begegnen, wie können wir uns gegenseitig stärken?
Das Kraftwerk Zschornewitz ist ein Ort, an dem genau diese Themen sofort spürbar werden. Immer noch gibt es den riesigen Kontrollraum, in dem schon lange keine Kontrolle mehr ausgeübt wird. Die stolze Architektur, die in die zwanziger Jahre zurückreicht, beeindruckt genauso wie die Welt der hundertjährigen stählernen Turbinen. Das Ruinenfeld vor der letzten verbliebenen Halle erinnert an Überreste antiker Städte.
Dieser auch in der Stille emotional aufgeladene Ort bietet den idealen Resonanzraum für die Begegnung von Klängen unterschiedlicher Epochen und den Texten der türkischen Autorin Ece Temelkuran, die sich in ihrem aktuellen Buch „Nation of Strangers“ in vielerlei Hinsicht mit dem Verlust von Heimat beschäftigt. Sie selbst lebt seit fast 10 Jahren im Exil und kann nicht mehr in die Türkei zurückkehren. In Briefen wendet sie sich an ihre Leser*innen und verbindet „Politik und Poesie, Menschenliebe und Ratio“ (Eva Menasse). Und sie schlägt vor, dass sich alle Heimatlosen zusammentun und eine Nation der Fremden gründen – auch diejenigen, die sich in ihrem eigenen Land nicht mehr zu Hause fühlen.
Die Veranstaltung beginnt am Infopoint und endet in der Maschinenhalle, die nur über
Treppen erreichbar ist.
Musik aus Mittelalter, Renaissance und Gegenwart
Texte von Ece Temelkuran, Paul Gerhardt und anderen
Mitglieder des RIAS Kammerchors:
Viktoria Wilson, Sopran
Esther Tschimpke, Sopran
Susanne Langner, Alt
Volker Nietzke, Tenor
Jonathan E. de la Paz Zaens, Bass
Ronja Oehler, Lesung
Dora Donata Sammer, Blockflöten & Elektronik
Folkert Uhde, Konzertdesign